Projekte

 

Zur Geschichte des Bochumer „Klang-Räume“ Projekts

Als die interaktive musikalische Wanderausstellung KLANG - RÄUME 1998 startete, hatte unser Team bereits mehrjährige intensive Erfahrungen in der musikalisch-rhythmischen Arbeit gesammelt. Mit unserer Arbeitsmethode der freien musikalischen Improvisation können die Spieler im gemeinsamen Spiel ihre eigene Musik gestalten, ohne über musikalische Vorkenntnisse zu verfügen.

Im Jahr 2003 kam es zu einer ersten Kooperation mit der heilpädagogischen Fakultät der Evg. FH in Bochum (EFH). Gemeinsam mit der Leiterin der Fakultät, Professorin Ursula Henke entwickelte das KLANG - RÄUME Team ein praxisorientiertes Studienangebot für StudentInnen der Heilpädagogik.
Sie lernten unter Anleitung der KLANG - RÄUME Dozenten die Prinzipien einer modernen musikalisch – rhythmischen Arbeit und ihre Anwendung in der heilpädagogischen Praxis kennen.


Alle Beteiligten bemerkten schnell, wie gut diese Methode auch für die Klangarbeit mit dementiell erkrankten SeniorInnen und Menschen mit Behinderungen eingesetzt werden kann. Frau Prof. Henke stellte schließlich den entscheidenden Kontakt zu dem Bochumer DRK Altenheim an der Holtbrügge her. Die Leitung und die Mitarbeiter dieses Heims verfügten über die nötige Erfahrung um ein KLANG - RÄUMEPilotprojekt für dementiell erkrankte Senioren durchzuführen.
Im November 2005 war es schließlich so weit: „Klang-Räume“ stand den SeniorInnen für vier Wochen in der Kapelle des Altenheims offen. Die Ausstellung zählte in dieser Zeit über 450 Teilnehmer, die in kleinen Gruppen an den Klangobjekten ihre Musik entwickelten. Sie wurden dabei von Fachkräften des Altenheims unterstützt, die zuvor gründlich in die Methoden der KLANG - RÄUME Arbeit eingeführt wurden. In diesen Wochen zeigte sich das enorme Potenzial des interaktiven Projekts.

 

An Demenz erkrankte SeniorInnen, sowie behinderte und nicht behinderte Kinder reagierten äußerst positiv auf die Klangarbeit an den Musikinstrumenten. Näheres hierzu werden wir Ihnen in den folgenden Abschnitten schildern.

Der erfolgreiche Verlauf des Pilotprojekts gab letztendlich den Ausschlag, KLANG - RÄUME als kontinuierliches Angebot in den Räumen des DRK Altenheims weiterzuführen.

In den folgenden Jahren entwickelte das DRK mit seinen Kooperationspartnern EFH, der medizinischen Fakultät der Ruhruniversität und der Diakonie das KLANG - RÄUME Konzept für die Region Bochum. Das KLANG - RÄUME Team aus Bergisch Gladbach entwickelte die Klangobjekte des ursprünglichen KLANG- RÄUME Sets weiter und passte sie so auf die Bedingungen der musikgeragogischen Arbeit bzw. der integrativen Arbeit an.

Im November 2008 wurde KLANG - RÄUME in der Kapelle des DRK Altenheims eröffnet. Seitdem haben sich regelmäßige Kooperationen mit Altenheimen und integrativen Einrichtungen aus der Region entwickelt. Das Projekt wurde maßgeblich von der „Stiftung Wohlfahrtspflege NRW“ als 3-jähriges Modellprojekt gefördert.

Das lokale und regionale Netzwerk hat sich mittlerweile etabliert und kann als modellhaft auch für andere Städte und Regionen in Deutschland gelten.

 

  • Die Demenzstudie: "Frei improvisierte Klangarbeit - neue Wege für dementiell Erkrankte"

 

Im Rahmen des 3-jährigen Modellprojekts startete 2009 eine Studie zur KLANG - RÄUME Arbeit mit dementiell erkrankten SeniorInnen des DRK Altenheims. Die Studie der Ev. Fachhochschule RWL (EFH) in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wollte erforschen, inwieweit Klangarbeit die Gedächtnisleistungen dementer SeniorInnen nur punktuell oder auch länger andauernd verbessert. Sechs Monate lang begleiteten Studierende der EFH RWL demente SeniorInnen und hielten ihre Beobachtungen in Fragebögen fest. Die Studie wurde vorab durch die Ethikkommission der RUB genehmigt.
Testverfahren war der Mini Mental Status Test (MMST).

Die Ergebnisse der Studie waren sehr ermutigend. So gab es bei allen SeniorInnen, die an den Klangobjekten frei improvisierten, eine positive Verschiebung des Demenzgrades. Darüber hinaus nahm ihre sprachliche Kompetenz wieder zu und die zeitlich-räumliche Orientierung verbesserte sich dauerhaft. Die StudienteilnehmerInnen wurden während der gesamten Zeit von Frau Mäckmann, KLANG - RÄUME Projektleiterin des DRK und ausgebildete Musikgeragogin, betreut.

Im Juli 2010 wurden die Ergebnisse im Rahmen des Bochumer Wissenschaftstags der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Kurzfassung der Demenzstudie "Frei improvisierte Klangarbeit - neue Wege für dementiell Erkrankte" finden Sie hier:

Kurzfassung der Demenzstudie

Das Klang-Räume Netzwerk

 

Für weitere Fragen zum Projekt stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

DRK Kreisverband Bochum e.V.

 

In Hannover zeigte der Kulturtreff Roderbruch im Jahr 2005 zum ersten Mal die Ausstellung KLANG-RÄUME. Schon damals entstand im Bereich Stadtteilkulturarbeit die Idee zur Entwicklung eines kontinuierlichen Angebots.

So wurden die KLANG-RÄUME im März 2007 gemeinsam mit dem Kulturbüro Südstadt und in Kooperation mit der Musikschule der Landeshauptstadt Hannover ein zweites Mal nach Hannover geholt, und sie erreichten mehr als 2.500 Menschen.
Die große Nachfrage bestärkte das Projektteam, die KLANG-RÄUME 2008 erneut zu zeigen. Standen 2007 vorwiegend Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt, so lag 2008 in Kooperation mit dem Fachbereich Senioren der Landeshauptstadt Hannover zusätzlich ein Schwerpunkt bei der Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren. Außerdem wurden gezielt therapeutische Gruppen angesprochen.

Über das Begleitprogramm zu den Ausstellungen mit Konzerten, Vorträgen, Kunstprojekten, Workshops sowie Tagen der „Offenen Türen“ wurden weitere BesucherInnen, Eltern und Einrichtungen sowie MusikerInnen und viele MultiplikatorInnen erreicht.

In den folgenden Jahren wurde „Klang-Räume“ mehrmals im Rahmen der Stadtteilkulturarbeit eingesetzt. Veranstalter waren meistens städtische Kultureinrichtungen.

Die Stadt Hannover denkt weiterhin an die Installation eines ständigen Klangraums. Er soll u.a. regelmäßig in den verschiedenen Stadtteilen als niederschwelliges musikalisches Angebot stattfinden.

 

Sehen Sie dazu auch "Klang-Räume in Hannover":

Broschüre

 

Neue Projekte 2017

 

Der Pflegedienst: „Pflegeteam Schwester Iris“ ist in Datteln seit mehreren Jahren eine angesehene Institution in der häuslichen Pflege. In diesem Jahr wird die Einrichtung in ein komplett renoviertes Gebäude umziehen. So wird „Schwester Iris“ auf die gestiegenen Anforderungen in der Pflegearbeit reagieren. Es werden u.a. auch Wohngruppen für dementiell Erkrankte eingerichtet und die Tagesklinik wird in Umfang und im therapeutischen Angebot erweitert.

In diesem Zusammenhang wird ein ständiger KLANGRAUM entstehen. Unter fachkundiger Anleitung werden besonders die an Demenz erkrankten SeniorInnen aber auch andere Bewohner des Hauses und Besucher der Tagesklinik die regelmäßige Gelegenheit bekommen an den für sie konzipierten Klangobjekten zu musizieren.

KLANG - RÄUME Datteln wird aber auch anderen Einrichtungen der pädagogischen und therapeutischen Arbeit zur Verfügung stehen. „Sr. Iris“ möchte so ein kleines lokales „musikalisches Netzwerk“ entstehen lassen wie es in dieser Form einzigartig in Deutschland sein wird.

 

Unsere Kontakte zum „Papst Leo Haus“, einer Einrichtung der „Nikolaus Groß GmbH“, reicht in den Herbst 2015 zurück. Die Leiterin Frau Dr. Rexhausen ist unserer Klangraumarbeit für SeniorInnen schon seit langer Zeit verbunden. Sie kennt die sehr guten Ergebnisse der „Klang-Räume“ Arbeit aus dem DRK Altenheim in Bochum und möchte einen eigenen Klangraum im „Papst Leo“ Neubau (Anfang 2018) installieren.

KLANG - RÄUME Essen wird als ein Modellprojekt konzipiert, das als kontinuierliches Angebot der generationenübergreifenden musikalischen Arbeit allen interessierten Einrichtungen aus Essen zur Verfügung steht.

Wir sind mit den Vorplanungen schon weiter fortgeschritten. Weitere Gespräche und Planungen finden in diesem Frühjahr statt.